Futtertierzucht
Es gibt viele Möglichkeiten seinen Fischen Lebendfutter zu fangen oder selber zu züchten. Die Fische danken es mit Vitalität, intensiven Farben und gutem Laichansatz.
An dieser Stelle möchte ich einige Lebendfuttersorten vorstellen, die man in Kulturen gut vermehren kann.
Selbstgezüchtetes Lebendfutter
Die Kultur von Futtertieren bietet uns die Möglichkeit unabhängig von der Jahrezeit Lebendfutter parat zu haben und das Risiko sich Krankheiten oder unerwünschte Gäste einzuschleppen sind äußerst gering, nicht höher als bei Industriefuttersorten.1. Mikrowürmchen
Mikrowürmchen (Panagrellus redivivus) sind bis 2.5mm lange Würmchen aus der Familie der Nematoden.
Sie eignen sich vorallem als Futter für unsere kleinen jungen Kampffische, dabei
ist es aber nachteilig, dass die Mikros im Wasser
stark absinken und am Boden liegen.
Die Kultur ist recht einfach und produktiv, leider kann dabei je nach Subtrat auch ein kräftiger Geruch entstehen.
Futterbrei für Mikrowürmchen:-Zarte Haferflocken als Grundsubstanz
-Milch oder Wasser oder Essig (wobei Wasser den geringsten Geruch produziert)
-Hefe (Trocken oder Frisch)
Als Kulturgefäß eignen sich Gläser, oder Plastikdosen. Sie sollten
aber einen Deckel haben, denn um die Mikrowürmchen ohne Nährbrei zu
entnehmen bedarf es eines "Tricks:
Bei Sauerstoffmangel fangen die Würmer an die Wände
hochzukriechen, hier kann man sie dann sehr einfach mit einem Pinsel
entnehmen.
Günstig ist ein Deckel mit einem kleinen Loch (ca 2-3cm) das man
bei Bedarf mit einem kleinen Schaumstoff- Wattepropfen verschließen kann.
Neue Ansätze beimpf man einfach mit einem Teelöffel aus der alten Kultur. Ein Ansatz hält normalerweise 2 bis 4 Wochen.
2. Essigäälchen
Die Essigäälchen (Turbatrix aceti) bleiben noch kleiner als die Mikrowürmchen.Essigäälchen sinken nicht! Das ist für uns ein entscheidender Vorteil.
Stundenlang treiben die Würmchen lebend im Wasser und sind somit für unsere Jungfische gute Beute.
Ich verwende die Essigäälchen häufig als Übergangsfutter s.h. Kapitel Zucht.
Als Kulturflüssigkeit dient 5%iger Obst- Apfelessig, den man mit Wasser mischen kann, viele verwenden die Michung 1:1
Auf frischen Ansätzen bildet sich in kurzer Zeit nach der Beimpfung
eine dicke Kahmhaut, diese sollte man in den ersten paar Tagen durch
gelegentliches Umrühren zertören (wegen des Gasaustausches)
Irgendwann sinkt dann die Kahmhaut ab und bildet auf dem Boden eine Art Schleimklumpen, den sollte man drin lassen.
Von nun an benötigt der Ansatz keine regelmässige Pflege mehr und
kann mit etwas Glück mehrere Jahre laufen, wenn man alle paar Monate
mal ein bisschen Essig wechselt.
Als Kulturgefäß eignen sich am besten hohe Gläser mit einem Deckel, in den man ein kleines Loch macht.
Wie ich finde, nur Vorteile gegenüber den Mikros, aber jetzt kommt der Nachteil:
Die Entnahne aus der Kulturflüssigkeit ist nicht ganz einfach,
viele filtern die Kulturflüssigkeit durch Kaffefilter, oder andere
geben die Würmer gleich mit dem Essig in's Becken, wovon ich abraten würde, da unsere kleinen Kapffische nicht gut auf den Essig reagieren.
Diese Methode ist mir die Liebste:
Man nimmt eine Spritze und stülpt vorne ein kleines Stück
Luftschlauch als Verlängerung drüber. Mit der Spritze saugt man dann
etwas Kulturflüssigkeit ab.
Am Besten Oben am Rand des Kulturglases, den hier sammeln sich die Würmchen.
Vorne in den Schlauch steckt man jetzt einen Pfropfen Filterwatte und presst den Essig durch.
Jetzt zieht man (wieder durch den Stopfen) Wasser in die Spritze. Das wars. Die Würmchen schwimmen jetz in Wasser.
Wem das nicht sauber genung ist, der kann diese Prozedur mehrmals
wiederholen, dabei gehen natürlich jedesmal einige Würmchen verloren.
Wenn man natürlich mehrere Hundertschaften an Jungfischen zu ernähren hat, dann ist diese Methode natürlich umständlich.
3. Artemniazucht
Normalerweise werden Nauplien in Flaschen oder speziellen
Zuchtgefäßen gezüchtet. In beiden Fällen gilt folgendes (wenn nicht
anders beschrieben):
-10 g jodfreies Kochsalz auf 1/4 l Wasser
-1 gestrichener Teelöffel Artemia-Eier auf 1/4 l Salzlösung
-bei ca. 25 °C ist nach ca.2 Tagen der Großteil geschlüpft
-ständige Belüftung (die Eier sollten immer in Bewegung sein) das sorgt für gute Schlupfrate und wirkt gegen O2-Mangel
Bewährt haben sich in meinem Fall die Flaschen:
Aufbau:
Eine Flasche mit durchsichtigen Glas wird wie beschrieben gefüllt und
mit einen Korken mit zwei Löchern für die Luftzu- u. Abfuhr
verschlossen. In eines der Löcher kommt ein Schlauch, an dessen Ende
ein Sprudelstein. Dieser Sprudelstein sollte kurz über dem Boden der
Flasche schweben. In das andere Loch kommt ein weiterer Schlauch, der
aber nicht in die Lösung eintaucht. Falls eine weitere Flasche
verwendet wird, kommt das andere Ende des 2. Schlauchs in die 2.
Flasche und belüftet dort.
Diese Skizze soll das Beschrieben noch verdeutlichen.

Entnahme der Nauplien:Bewährt hat sich bei mir die Entnahme
mit einer ausrangierten Dosirspritze eines diversen Wassertestsets. Auf
die Spitze kommt ein mindestens eben so langes Plastikröhrchen (steifen
Schlauch geht auch) wie die Flasche lang ist.
Zur
Entnahme nimmt man den Stopfen aus der Flasche und wartet 3-5 min bis
sich die Nauplien am Boden versammelt haben. Bei der 1. Entnahme sollte
man die nun an der Wasseroberfläche treibenen leeren Eierschalen
entfernen (z.B. mit der Spritze). Zur Entnahme der Nauplien führt man
langsam das Plastikröhrchen/Schlauch in die Nähe der Nauplien. Dann
zieht man die Tiere auf.
Danach:
Nun gibt man die Tiere in eine kleine Plastikschüssel, die mit
Süßwasser gefüllt ist, in das darin liegende feine Artemiasieb. Dadurch
werden die Nauplien gespüllt und die Salzkonzentration wird verringert.
Nach kurzer Zeit (1-2 min) kann man die Nauplien aus dem Sieb mit Hilfe
der Spritze aufziehen und dann dank des Plastikröhrchen !gezielt! in
die Nähe der Jungfische geben.
Das Wasser aus der Plastikschüssel täglich erneuern. Außerdem ab und an die Flasche mit Süßwasser auffüllen.
Ernährungsphysiologische Qualität der Nauplien:
| Energiegehalt | 0,035 bis 0,075 Joule/Nauplie |
| Proteingehalt | 38 bis 71% Trockenmasse |
| Fettgehalt | 12 bis 30% Trockenmasse |
Qualitätsunterschiede:
Qualitätsunterschiede, die sich aus ihrer geografischen Herkunft und starken saisonalen Schwankungen ergeben. Man unterscheidet die Qualität in Schlupfraten, Größe der Instar I Nauplien (hängt von dem jeweiligen Stamm ab) und ernährungsphysiologischer Qualität (die vor allem davon abhängt, was den Elterntiere vor der Zystenbildung an Nahrung zur Verfügung gestanden hat – dies ist natürlich durch die Umweltbedingungen geprägt wie Saison, Herkunft u.s.w. )
Schlupfrate:
| Qualität Grad A | Schlupfrate > 90% |
| Qualität Grad B | Schlupfrate 80-90% |
| Qualität Grad C | Schlupfrate < 80 % |
Wobei meiner Ansicht nach Grad C nicht mehr zu empfehlen ist, da bei diesen immer jede Mengen Zystenschalen übrig bleiben die bei der Futteraufnahme von Jungfischen (wenn man nicht gut absaugt) schäden im Darm verursachen können..
4. Daphnien
Die Zucht von Daphnien ist eigentlich recht einfach und liefert ein gutes Lebendfutter, das von nahezu allen Fischen gern gefressen wird.
In einen Behälter (Eimer/Wanne) gibt man abgestandenes Wasser. Eine Wanne funktioniert besser, da hier ein besseres Oberflächen/Volumen-Verhältnis herrscht. Das Wasser kann auch zum Teil frisch sein, aber es sollte mindestens zur Hälfte abgestandenes sein, z.B. aus dem Teich/Aquarium/Regentonne.
Der Behälter sollte an einem schattigen, gleichmäßig warmen Ort stehen. Es sollte aber nicht wärmer als max 25°C sein. Kälte ist kein so großes Problem, allerdings läuft dann die Vermehrung entsprechend langsamer. Natürlich darf das Wasser nicht gefrieren.
In diesen Behälter gibt man dann seine Daphnien. Die gibts z.B. in Zooläden lebend in kleine Plastiktütchen eingeschweißt (0,60-2 €). Einige Dutzend Wasserflöhe/Ansatz reichen.
Gefüttert wird mit mit immer frisch aufgemichter Frischhefe. Immer nur soviel zugeben, das das Wasser leicht trübe wird und nach 2, max. 3 Tagen wieder klar ist. Entgegen der sonstigen Weisheit "Viel hilft viel" ist das hier nicht so. Zuviel Hefe läßt das Wasser umkippen, was den Wasserflöhen nicht wirklich guttut. Also lieber sparsam und dafür öfter füttern. Futter entnehmen kann man laufend mit einem feinen Kescher, die übriggebliebenen Daphnien vermehren sich wieder.
Da Wasserflöhe kleine Krebschen sind, müssen sie sich zum Wachstum häuten. Damit nun die abgestoßenen Häute nicht das Wasser verpesten, werden in jeden Zuchtbehälter einige Schnecken gegeben, die alles fressen, was sonst das Wasser verderben würde. Da aber doch immer wieder Unglücke passieren, empfiehlt es sich, mehrere Ansätze parallel zu fahren, so dass bei einem Totalverlust Ersatz zur Verfügung steht.
5. Grindal/Enchyträen
Enchyträen sind kleine weiße Würmer und gehören zu den Ringelwürmern, wie z.B. Tubifex und Regenwürmer auch. Sie sind ca. 2cm lang, 2mm dick und eignen sich gut für Jungfische. Grindal sind eine andere, kleinere Art, aber eng mit den Enchyträen verwandt.
Beide Arten lassen sich gut in normaler Blumenerde halten, die man in ein Gefäß von ca. 10-20 cm Höhe gibt, je nach Grundfläche. Dahinein werden nun die Enchyträen/Grindal gegeben, gefüttert wird mit Baby-Milchbrei. Dabei sollte man sparsam sein, da überflüssiges Futter leicht schimmelt.
Legt man auf das trocken aufgebrachte Futter eine dünne Glas/Plastikscheibe, sammeln sich die Würmer an deren Unterseite und lassen sich leicht entnehmen. Die Erde muß gut feucht, aber nicht nass gehalten werden, was am leichtesten durch Besprühen geht.
Die Kultur auf Schaumstoff hat sich bei mir als unbefriedigend herausgestellt, da der Arbeitsaufwand viel höher und die Produktivität gering war.
weiteres folgt demnächst....
