Seemandelbaumblätter und Bananenblätter
Der Einsatz von Pflanzen und Pflanzenbestandteilen als Medikament (sg. Phytotherapie) ist beim Fisch natürlich genauso berechtigt wie beim Säugetier. Oft gehören Tannine zu den Inhaltsstoffen. Diese so genannten Gerbstoffe dienen der Pflanze zur Abwehr von Fressfeinden und Pilzen. Die Anwendung von Phytotherapeutika ist beim Fisch als Bad oder über das Futter möglich.Die Notwendigkeit einer VOR Behandlungsbeginn gestellten sicheren Diagnose um auch eine gezielte Therapie durchführen zu können. Diesen beiden Sätzen stimme ich besonders zu: „Es ist aber zu sagen, dass bei bereits stark geschädigten Fischen diese natürlichen Mittel nicht immer zum Erfolg führen und man mit einer vorhergehenden genauen Diagnose und den DARAUF ABGESTIMMTEN Medikament oft besser bedient ist. Medikamente auf Verdacht oder ungenaue Diagnosen zu verwenden, ist in den meisten Fällen wirkungslos bis kontraproduktiv.“. Idealerweise wird zuerst eine Diagnose gestellt, dann eine Behandlung durchgeführt und abschließend der Erfolg der Behandlung kontrolliert. Nur so kann man dokumentierte Erfahrungen zur Wirksamkeit und Verträglichkeit bei wenig beschriebenen Therapieansätzen sammeln.
Vor allem muss man sich im Klaren sein, dass die Stärken einer „naturnahen“ Therapie zumeist im Bereich der Prophylaxe (Vorsorge) und der geringgradig krankhaften Veränderungen liegen und weniger in der Behandlung akuter und hochgradiger Krankheitsverläufe. Grundvoraussetzung ist ein ausreichend starkes Immunsystem, das noch mobilisierbar ist.
Unmittelbar im Anschluss an eine durchgeführte Behandlung mit Chemotherapeutika kann durch Einsatz pflanzlicher Wirkstoffe die Rekonvaleszenzzeit der Fische und die Regenerationszeit des Aquariums unterstützt, stabilisiert und verkürzt werden.
Sehr gut dokumentiert und untersucht ist die Wirkung von so genannten Huminstoffen, die durch die Humifizierung von Chlorophyll im Boden entstehen. Die heute zur Verfügung stehenden unter natürlichen Bedingungen entstandenen Huminstoffe stammen weitgehend aus dem Tertiär und sind daher ca. 60 Mio. Jahre alt und werden in Böden, Torfen und Braunkohlelagerstätten gefunden.
Die bioaktiven Zentren der Huminstoffe stellen die Huminsäuren dar, die bis heute noch nicht als klassische Substanzen im Sinne der Strukturchemie eingeordnet werden können. Sie sind so unterschiedlich, dass nur Näherungsmodelle für ihre chemische Struktur bestehen.Danach sind Huminsäuren dreidimensionale Makromoleküle mit einem zentrale Kern und den verschiedensten peripheren funktionellen Gruppen. Es sind auch chinoide und flavonoide Strukturen vorhanden.
Hier schließt sich der Kreis unseres Ausfluges in die Chemie der Huminsäuren und dem Einsatz von Laub, Birken- und Walnussblättern. Huminsäuren, Gerbstoffe, Flavonoide und Chinoide sind Inhaltsstoffe, die auch aus Laub vieler heimischer Laubbaumarten sowie den Blättern der Birke und Walnuss freigesetzt werden. Die Wirkung der Huminsäuren kann folgendermaßen zusammengefasst werden:
• schleimhautabdeckende, adstringierende und adsorptive
Wirkung
• antiphlogistische (entzündungshemmend) und
• paramunologische Wirkung (Stimulation der unspezifischen
Immunabwehr)
• antibakterielle und viruzide Wirkung
• Regulation der Darmschleimhaut und der Darmflora (deshalb
unverzichtbarer Bestandteil bei Therapie von Ferkel- und
Kälberdurchfällen)
Aufgrund der natürlicherweise höchst unterschiedlichen Zusammensetzungen verschiedener Huminsäurepräparate ist es besonders wichtig, auf gesicherte Daten zur Verträglichkeit und Wirksamkeit eines standardisierten Produktes zurückgreifen zu können. Dr. Oliver Hochwartner bezieht daher ein Huminsäurepräparat der Firma Weinböhla aus Deutschland, die seit vielen Jahrzehnten den Einsatz ihrer Produkte bei Fischen (Forellen und Karpfen) unter Versuchsbedingungen erforscht. Der Vorteil eines solchen Produktes ist eben die Standardisierung, man weiß genau „was drin ist“ und was das Präparat „kann“.
Daher ist bei Anwendung von selber gesammelten Laub und Blättern eine gewisse Standardisierung der Methode (Verwendung immer der gleichen Art/Unterart, Erntezeitpunkt, Verarbeitung, Dosierung, kontrollierter Therapieerfolg) anzustreben, um eine Reproduzierbarkeit der Ergebnisse besser gewährleisten zu können.
Sie sollten wegen der Belastung mit Abgasen (Feinstaub) nicht an viel befahrenen Straßen oder in Großstädten gesammelt werden. Außerdem ist wichtig die Blätter möglichst schnell und gründlich zu trocknen, damit es zu keiner Zersetzung oder Verpilzung kommt, die / der Zersetzungsstoffe, den Fischen schaden können.
Hochinteressante kommerzielle Präparate zur Steigerung der unspezifischen Immunabwehr bei Fischen (der Aquakultur) werden aus verschiedenen Meeresalgen hergestellt. Dazu gibt es wissenschaftliche Publikationen. (Die sich sicher bei Dr. Hochwartner nachfragen lassen)
Auch der Einsatz von Propolis bei Fischen wird spätestens seit dem Erwachen des Koi-Fiebers immer wieder in beschrieben. Propolis kann an Fische verfüttert (z.B. zur Steigerung der unspezifischen Immunabwehr) oder lokal (z.B. für Wundverschluss und –Heilung) angewendet werden. Grundsätzlich wirkt die Propolis bakterio- und virostatisch, lokalanästhetisch, entzündungshemmend, durchblutungsfördernd, Wundheilung fördernd, Immunsystem stimulierend, antioxidierend und anderes mehr (Erfahrungen vom Säuger/Mensch).
Seemandelbaumblätter
folgt in kürze...Bananenblätter
Die Blätter der Bananenstaude (Musa sp. var. sapientum) sind im asiatischen Raum seit vielen Jahren erfolgreich im Einsatz. Sie werden dort von erfolgreichen Zierfischzüchtern seit langem genauso wie Seemantelbaumblätter zur Vorbeugung und Behandlung von Krankheiten, wie. z.B.
- Pilzkrankheiten
- Lochkrankheit bei Cichliden
- Ektoparasiten
- Schleimhautschäden
- Bissverletzungen
- Flossenfäule
- Laichverpilzungen eingesetzt.
Gerade wir
Kampffischzüchter schwören auf Bananenblätter und verwenden diese noch
erfolgreicher als Seemandelbaumblätter, da sie die Färbung der Fische
verbessern und sich weiterhin sehr positiv auf die Laichbereitschaft der Fische
auswirken.
Gerade bei sehr empfindlichen Arten, wie z.B. den Albis oder Simplex stellen
Bananenblätter eine ausgezeichnete Alternative zu Seemandelbaumblättern dar, da
diese wegen der Wasserwerte dort oft nicht eingesetzt werden können.
Die Bezeichnung Bananenbaumblätter, die man auch oft findet, ist insofern nicht korrekt, als es sich bei der Banane nicht um einen Baum sondern um eine Staude handelt, die allerdings einen recht kräftigen Scheinstamm entwickelt, der aus den Blattscheiden der Blätter gebildet wird.
Anwendung:
In Europa
sind getrocknete Bananenblätter unter Aquarianern bisher noch ein Geheimtipp,
wobei sie von einigen europäischen Züchtern auch schon seit einiger Zeit
erfolgreich eingesetzt werden. Daß der Bekanntheitsgrad von Bananenblättern
noch nicht so hoch ist, mag auch daran liegen, daß die Verfügbarkeit der
Blätter noch eher gering ist.
Vor einiger Zeit kamen die Blätter auch bei unseren heimischen Aquarianern ins
Gespräch, die die Blätter von in Europa gewachsenen Bananenstauden verwendeten.
Der Erfolg war zwar vorhanden, jedoch nur gering. Dies mag daran gelegen haben,
daß die Blätter der hier gewachsenen Stauden durch die weniger intensive
Sonnenbestrahlung nur einen Bruchteil der gewünschten Inhaltsstoffe aufweisen
wie Staudenblätter aus dem asiatischen Raum.
Unserer Bananenblätter werden genauso schonend geerntet und behandelt wie unsere
Seemandelbaumblätter. Sie sind frei von Pestiziden und schädlichen Bakterien.
Dosierung:
Je nach Notwendigkeit gibt es zwei Möglichkeiten der Dosierung:
- Zur allgemeinen Vorbeugung vor Krankheiten, zur Farbverbesserung und zur Förderung des Wohlbefindens gibt man auf pro Fisch je 1 - 2 Blätter mit den Maßen ca. 5*5cm ins Wasser
- Zur Intensivbehandlung gegen Krankheiten oder zur Förderung der Laichbereitschaft wird je 3 - 5 l Aquarienwasser ein Bananenblatt (5*5cm) ins Aquarienwasser gegeben.
Die Blätter saugen sich im Laufe von 48 - 72 Stunden mit Wasser voll (man kann das beschleunigen, indem man sie untertaucht) und geben ihre Wirkstoffe innerhalb von 1 - 2 Wochen langsam an das Aquariumwasser ab. Danach ist die Wirkung erschöpft und diese können ausgetauscht werden.
Buchen,- und Eichenblätter
Den Blättern unserer heimischen Buchen und Eichen wird teilweise eine ähnliche Wirkung wie den Seemandelbaumblättern nachgesagt.In jedem Fall werden Buchenblätter gerne von an Oberflächen raspelnden Fischen (z.B. Loricariiden) gefressen. Wichtig erscheint dabei aber insbesondere, dass sich im Aquarium auf den Blättern eine vielfältige Mikroflora und -fauna bildet, die wohl die eigentliche Nahrungsquelle bildet.
Diese Nahrungsquelle wird aber auch von vielen gerade geschlüpften Fischlarvengerne genutzt. Zudem dienen die Blätter als attraktive Versteckmöglichkeit für Jungfische.
Die Blätter der Buche können je nach Geschmack ins Aquarium gegeben
werden, nach 1-2 Tagen gehen die Blätter unter und bieten neben ihrer
Wirkung einen dekorativen Anblick in jedem naturnah eingerichteten
Aquarium.
Garnelen und Krebse werden die Blätter zudem als ergänzende
Futterquelle betrachten.

Gerade für verschiedene Wildbettaarten eignen sich die Blätter besonders.
Wallnussblätter
Die Blätter sollten im gegensatz zu den anderen Blättern noch Grün geernet und sorgfältig getrocknet werden, so dass weitgehend alle Wirkstoffe, insbesondere die enthaltenen Gerbstoffe, erhalten bleiben.

Dosierung:
2-6 Blätter, je nach Größe und Bedarf, auf 100 l Wasser ins Aquarium geben, nach 1-2 Tagen gehen die Blätter unter und bieten neben ihrer Wirkung einen dekorativen Anblick in jedem naturnah eingerichteten Aquarium.
Erlenzäpfchen
Die Erlenzäpchen oder auch Samenstände der Schwarz-Erle, haben eine leicht ph- Senkende Wirkung. Dafür darf die Karbonathärte des Ausgangswassers aber nicht zu hoch sein.
Fortsetzung folgt...

