Das Futter


Zierfischfutter ist ein riesiges und umfassendes Thema.
Der folgende Bericht soll allen Anfängern und Fortgeschrittenen Aquarianern als Hilfe und Nachschlagwerk dienen.


Grundsätzlich gilt für alle Zierfische das gleiche wie für Menschen und andere Tiere. Jeder Organismus benötigt ausgewogene Nahrung um gesund und vital zu bleiben, daher sollte das Futter abwechslungsreich sein und die nötigen Vitamine, Mineralien und Ballaststoffe enthalten. Während in der Natur solche Nahrungsquellen, jahreszeitlich bedingt, zur Verfügung stehen, müssen wir als Aquarianer, unsere Fische durch richtiges Füttern ausgewogen ernähren.
Dazu gehört insbesondere, die unterschiedlichen Futterbedürfnisse der einzelnen Fische zu beachten, d.h. es gibt kein Allgemeinfutter das für alle Fische geeignet ist.
Ebenso wichtig ist, in welcher Wasserregion sich die Fische aufhalten. Halten sie sich eher an der Wasseroberfläche, in der Mitte, am Boden oder überall auf? Dann ist entscheidend, welche Eigenschaften, Größe und Form das gekaufte Futter besitzt.
Welse halten sich vorwiegend am Bodengrund auf und benötigen viel Grünfutter (außer Raubwelse), Guppys sind Allesfresser und sind meist in der oberen und mittleren Wasserregion zu finden. Diskusse gehören zu den Fleischfressern und sind überall im Becken verteilt.

Wie oft und wieviel sollte den Fischen gefüttert werden:

-Größere Fische, Allesfresser und vorwiegend fleischfressende Fische sollten zweimal am Tag mit kleinen Portionen gefüttert werden. Zudem ist ein Fastentag in der Woche sehr gut für ihre Verdauung und reinigt den Organismus.

-Bei vorwiegend pflanzenfressenden Fischen z.B. Tropheusarten ist eine mehrmalige Fütterung mit kleinen Portionen sehr zu empfehlen, da deren Futterverwertung, Verdauung und Darmfunktion anders arbeitet als bei Fleischfressern.

-Junge Fische benötigen den ganzen Tag über Nahrung, daher mehrmals füttern.

Das wichtigste beim Thema Futter ist die zu fütternde Futtermenge und die Futterqualität. Bei Überfütterung und nicht gefressenem Futter mit schlechter Qualität, kommt es zu ungewollter Schimmelbildung und schlechtem Wasser. Nicht zuletzt sogar zum Verlust der Fische, sollte das Wasser kippen, d.h. ein Überschuss an Nitraten, Phosphaten und Eiweißen wird durch das faulende Futter freigesetzt. Diese Abfallstoffe kann der Filter nicht mehr verarbeiten, die Wasserqualität sinkt und im schlimmsten Fall sterben die Fische, wenn dieser Prozess nicht rechtzeitig bemerkt und durch einen Wasserwechsel behoben wird.

Schlechte Wasserqualitäten werden meistens durch schlechtes Leitungswasser, zu viele Fische im Aquarium die zusätzlich überfüttert werden und zu kleine Filter verursacht. Vor allem Anfänger haben oftmals dieses Problem. Die Folge ist Algenwachstum, Fischkrankheiten und im schlimmsten Fall Fischsterben.

Unterschieden werden folgende Futtersorten:

- Trockenfutter (Flockenfutter, Futtergranulat)

- gefriergetrocknetes Futter

- Frostfutter ( Gefrorenes Futter )

- Lebendfutter


Trockenfutter

Flockenfutter:


diese Art von Trockenfutter kann man mit kleinen Papierschnipseln vergleichen. Sie haben unterschiedliche Farben und sind verschieden groß. Es ist wohl die bekannteste und meist verbreitetste Form des Zierfischfutters.

Vorteile: Flockenfutter ist in der Größe meist so gemischt, dass bei der Verfütterung für jeden Fisch eine Mahlzeit abfällt. Es schwimmt in der Regel recht gut wodurch die Fische ihre Nahrung in Ruhe zu sich nehmen können. In allen Zoofachgeschäften gibt es diese Futterform in den verschiedensten Sorten mit unterschiedlichen Inhaltstoffen und in allen möglichen Verpackungsgrößen zu kaufen. Die Qualität ist in der Regel sehr gut.

Nachteile: Flockenfutter zerfällt recht schnell in kleinste Bestandteile, verschwindet im Bodengrund und gärt oder wird vom Filter angesaugt, wodurch dieser übermäßig verschmutzt wird. Daher sollte immer mäßig gefüttert werden, dafür aber mehrmals am Tag. Für am Boden lebende Fische, z.B. Welse, ist dieses Futter ungeeignet da die Flocken von den anderen Fischen aufgefressen werden bevor es unten ankommen. 

Futtergranulat:


diese Futterart erobert immer mehr den Markt und das nicht ohne Grund. Die Qualität ist wie beim Flockenfutter meist sehr gut und die Auswahl, dank der unterschiedlichen Inhaltsstoffe ist mittlerweile groß. Jedes gut sortierte Zoofachgeschäft führt heute beide Futterarten. Vorteil beim Granulat ist, dass es nicht zerfällt und durch sein Sinkverhalten nicht so schnell vom Filter angesaugt wird. Das Futter kann optimal dosiert werden, da die Fische es direkt aufnehmen. Das Granulat gibt es in verschiedenen Größen und ist somit für jeden Fisch geeignet. Nicht nur wir verwenden auf Grund dieser Eigenschaften das Granulat-Futter sondern auch die meisten Züchter die sogenannte Artenbecken haben. Hier kann das Futtergranulat gezielt mit den benötigten Inhaltsstoffen verfüttert werden.

Dies ist bei den Hobby- Aquarianern oftmals nicht gegeben, da meistens viele verschiedene Arten mit unterschiedlichen Futteransprüchen in einem Becken gepflegt werden.

Mittlerweile gibt es jedoch gemischte Granulat-Futter zu kaufen, die ein breites Spektrum an Inhaltsstoffen besitzen sowie verschiedene Korngrößen mit unterschiedlichem Sinkverhalten. Somit ist dieses Futter für alle Aquarianer sinnvoll.

Gefriergetrocknetes Futter:



Dieses Futter wird vorwiegend in Form von Würfeln verkauft. Es besteht z.B. aus Tubifex (Schlammröhrenwürmer), Mückenlarven (rote, weiße, schwarze), Daphnien (Wasserflöhe), usw.

Vorteile: Da es ein reines Naturprodukt ist, enthält es keine weiteren Zusatzstoffe, außer evtl. Farbzusätze. Während Vitamine bei der Verarbeitung und Herstellung des Futters erhalten bleiben, werden im Gegenzug, Krankheitserreger abgetötet.

Nachteile: Dieses Naturprodukt besteht vorwiegend aus Eiweißen (Tubifex=60%) was die Fische zum Muskelaufbau benötigen, dennoch darf dieses Futter nicht als Hauptfutter verwendet werden. Zuviel Eiweiß ist nicht nur für Fische ungesund sondern belastet das Wasser übermäßig stark.

Daher empfiehlt sich die Fütterung von gefriergetrocknetem Futter als Zusatzfutter, 2-Mal in der Woche für eine ausgewogene Ernährung. Zudem ist es eine echte Alternative zum Frostfutter.

Frostfutter:


Frostfutter besteht aus Pflanzen oder getöteten Tieren.
Über das Frostfutter gibt es bis heute unterschiedliche Meinungen. Während für die einen fest steht, von diesem Futter die Finger zu lassen, ist es für andere ganz klar, den Ernährungsplan seiner Fische mit Frostfutter zu ergänzen.
Damit Sie sich Dafür oder Dagegen entscheiden können, haben wir die Vor- und Nachteile im Folgenden zusammengefasst.

Vorteile: Sicher ist, dass dieses Futter das frischeste und natürlichste ist.
Einige Fischarten können ausschließlich nur mit Frostfutter gezüchtet und aufgezogen werden da sie kein anderes Futter akzeptieren.
Je nach Futtersorte, sind verschiedene Vitamine usw. enthalten, welche die Fische direkt verwerten können.

Nachteile: Zum einen kann Frostfutter beim Unterbrechen der Kühlkette verderben, aber ein weitaus wichtigerer Nachteil ist die Verschmutzung der Bäche oder Seen mit Schadstoffen (Schwermetalle, Pestizide, usw.), in denen das Futter gefangen wird. Vor allem rote Mückenlarven stammen oftmals aus belasteten Gewässern. Sie nehmen die Schadstoffe auf und übertragen diese auf unsere Fische.

Auch Krankheiten können mit Frostfutter übertragen werden, z. B. Darmwürmer, Kiemenwürmer oder anderen Parasiten. Da die Eier dieser Parasiten naturbedingt (Winter) auf diese Gegebenheiten eingestellt sind, macht ihnen das Einfrosten nichts aus.
So manch einer hat sich schon gewundert, dass plötzlich Krankheiten oder Parasiten sich im Aquarium ausbreiten, obwohl keine neuen Fische eingesetzt wurden und die vorhandenen Fische schon seit Jahren gepflegt werden. Dies kann ein Grund dafür sein.

Aber auch in anderen Futterarten wie z.B. gefriergetrocknetes Futter sind schon Schadstoffe gefunden worden, vor allem bei Tubifex. Schadstoffe können in jeder Futterart vorhanden sein, hier macht Frostfutter keine Ausnahme. Es hängt letztendlich vom Hersteller ab, was in seinem Futter enthalten ist.

Tipp: Frostfutter das aus dem Meer (Salzwasser) kommt, kann ohne Bedenken verfüttert werden da dort evtl. enthaltene Fischparasiten und Bakterien, nicht im Süßwasser überleben. Genau so sollte es sich auch umgekehrt verhalten.

Lebendfutter:



Lebendfutter unterliegt den gleichen Bedingungen wie Frostfutter.
Es wird vor allem bei Wildfängen benötigt, da diese während der Eingewöhnungsphase kein anderes Futter akzeptieren. Wildfänge nehmen nur Futter an, das sich bewegt. Das gleiche gilt auch für Jungfische.
Fische die kein Lebendfutter bekommen obwohl sie es gewöhnt sind, verhungern regelrecht.
Früher haben einige Aquarianer das Lebendfutter aus den heimischen Tümpeln und Teichen gefangen. Heute ist dies meist nicht mehr möglich, da diese unter Naturschutz stehen. Zudem ist es auch nicht mehr empfehlenswert, da oftmals durch die im Teich lebenden Fische, Krankheiten übertragen werden können. Und wiederum sind andere Teiche von Industrie-Abwässern verschmutzt.
Man muss schon Glück haben wenn es in der Nähe einen kleinen naturbelassenen Tümpel gibt. Aber Vorsicht, auch hier lauern Gefahren, die man unwissentlich mit ins Aquarium einschleppen kann, z.B. Libellenlarven oder Gelbrandkäfer. Wenn sich aber jemand auskennt ist es kein Problem.
Nur in den kalten Jahreszeiten wird es schwierig sein, Lebensfutter selbst zu fangen, da in dieser Zeit, solche Tümpel, nicht genügend Lebendfutter beinhalten.

Die Alternative hierzu ist die eigene Aufzucht von Lebendfutter um z.B. Jungfische während dieser Zeit zu ernähren.

Die Nachzucht von z.B. Artemia ist einfach. Die Eier von diesem kleinen Urzeitkrebs sind in Dosen oder vakuumverpackten Beuteln in Zoofachgeschäften zu kaufen. Wie man die Eier zum Leben erweckt könnt ihr im Kapitel Futtertierzucht nachlesen.

Hier ein kleiner Überblick über die Tiere die man als Frostfutter oder als Lebendfutter kaufen kann.

Rote Mückenlarven
Seiner roten Färbung, der Assoziation frischen Fleisches, verdankt womöglich dieses Plankton seine Popularität. Ob lebend, gefrostet oder lyophilisiert, die Larven der Tanzmücken sind das meistgekaufte Naturfischfutter in Europa. Und tatsächlich sind einige Arten außerordentlich hämoglobinhaltig. Ihr Kolorit sowie die ständigen Schlingerbewegungen wirken auf Fische geradezu magnetisch.

Daphnien
Was der ursprünglichen Aquaristik neben dem Heimerlebnis einen zusätzlichen Reiz verlieh, war die Futterbeschaffung in der Natur und da ging es vorrangig um Wasserflöhe. Offenbar ganz archaischer Jäger- und Sammlerleidenschaft verfallen, zogen Generationen von Aquarianern mit viel Zeit und den vielfältigsten Utensilien durch die Landschaft, um ein paar bunte Fischchen satt zu bekommen. Die große Nachfrage nach diesem eher nährstoffarmen Plankton lässt zumindest diese Vermutung aufkommen. Da Wasserflöhe nur eine kurze Lebensdauer haben und anfällig z.B. auf Wetteränderungen reagieren

Weiße Mückenlarven
Die weißen Mückenlarven, auch Kristallmückenlarven, der Gattung Chaoborus (Syn. Corethra) sind das empfehlenswerteste Zierfischfutter, was Ihnen wohl Berufszüchter und erfahrene Liebhaber attestieren werden. Neben dem hohen Proteinanteil ist es der spezifische Gehalt ungesättigter Fettsäuren, der die Fortpflanzungsbereitschaft stimuliert.

Cyclop
Ruderfußkrebse haben für die Ernährung wild lebender Fische in den gemäßigten Klimazonen eine fundamentale Bedeutung. Ihre Larven, die Nauplien, sind für viele Fischarten in stehenden oder langsam fließenden Gewässern das unersetzliche Starterfutter und später bieten diese Kleinkrebse den Jungfischen die Nahrungsgrundlage, welche, Protein-, fett- und carotinhaltig, für stürmisches Wachstum sorgt. Dabei spielen die Algen, die von den Cyclops selbst gefressen werden und somit den Fischen als sekundäre Pflanzenkost zugute kommen, sicherlich keine unerhebliche Rolle.

Enchytraeen
Diese terrestrische Wurmart bereichert die Futterpalette Ihrer Fische um Fettsäuren und Proteine, die in planktischen Organismen nicht vorzufinden sind. Die Nachzucht vieler Wels arten gelingt oftmals nur, wenn nach einer Hungerperiode vorrangig Enchytraeen gefüttert werden. Dieses Powerfutter sollte allerdings nicht mehr als zwei- bis dreimal wöchentlich gereicht werden, da Ihre Tiere sonst verfetten könnten.

Seewasserrädertiere
Brachionus plicatilis eignet sich als Aufzucht Futter für die meisten Süßwasserfische und für größere Larven von Meerestieren. Seine Kultivierung bereitet keinerlei Probleme und kann in gewöhnlichem Salzwasser ab 10 Promille erfolgen. Von großer Bedeutung ist es, dass die Rädertiere möglichst mit lebenden Algen gefüttert werden, um deren optimalen Nährwert zu gewährleisten. Sollten Sie diese Möglichkeit nicht haben, können Sie es mit einem der im Internet angebotenen Spezialfutter versuchen, wobei Sie darauf achten sollten, dass es mit ungesättigten Fettsäuren angereichert ist.


Auf der Seite "Futtertierzucht" findet ihr noch ein wenig mehr...